Filmpropaganda im 1. Weltkrieg – Mein Vortrag im Rahmen der Akademischen Abschlussfeier

Anna Carla Kugelmeier während ihres Vortrags im Rahmen der Akademischen Abschlussfeier der Fakultät für Philologie an der Ruhr-Universität Bochum

Foto: Mike Springob

Im Rahmen der Akademischen Abschlussfeier der Fakultät für Philologie an der Ruhr-Universität Bochum durfte ich in der vergangenen Woche meine Bachelorarbeit vor circa 400 Zuhörern (Absolventen, Angehörige, Fakultätsmitglieder) vorstellen. Für alle, die nicht dabei waren, gibt es hier den Vortragstext:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,

ich möchte Sie bzw. euch heute gern auf eine Zeitreise mitnehmen – auf eine Reise hundert Jahre zurück in die Zeit des Ersten Weltkriegs mit dem einen oder anderen Abstecher in die Gegenwart. Der Anlass: meine Bachelorarbeit, die ich Ihnen bzw. euch im Folgenden kurz vorstellen werde.

Erlauben Sie mir eine Vorbemerkung: Meine medienwissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit der Filmpropaganda im Deutschen Reich und in Öster­reich-Ungarn während des Ersten Weltkriegs. Bei einem solchen Thema be­steht natürlich die Gefahr, dass mein Vortrag, womöglich untermalt von drasti­schen Bildern aus dem Schützengraben, die festliche, gelöste Stimmung dieses Abends nachhaltig trübt. Das ist mir durchaus bewusst. Sehen Sie es mir deshalb bitte nach, wenn ich anlässlich der heutigen Veranstaltung medial nicht alles präsen­tiere, was vielleicht zu präsentieren wäre.

Angesichts der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit beschränke ich mich auf fünf Aspekte.

Erstens: Wenn wir auf die Begriffe Propaganda bzw. Reichspropagandaministe­rium stoßen, denken wir in erster Linie an den Nationalsozialismus und an Joseph Goebbels im Speziellen. Doch ist das Propagandaministerium keine Erfindung der Nationalsozialisten. Überlegungen, eine solche Institution einzu­richten, gab es bereits im Ersten Weltkrieg. Der Krieg brachte nicht nur zahl­reiche technische und militärtaktische Neuerungen wie Gasangriffe, Tank­schlachten oder den Stellungskampf mit sich. Er war auch der erste moderne Medienkrieg: Neben Zeichnungen und Fotografien wurde das recht junge Medium Film besonders in der zweiten Hälfte des Kriegs erstmals in größerem Umfang publizistisch genutzt, um eine kollektive, einheitliche Ausrichtung des Bewusstseins der Zuschauer durchzusetzen. Zum ersten Mal kommunizierten Militär, Regierung und Privatwirtschaft das Kriegsgeschehen mithilfe von Bewegtbildern, um die Bevölkerung patriotisch einzustimmen. Dies galt für die Mittelmächte – Deutschland, Österreich-Ungarn – genauso wie für die Entente – Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA. Wie erfolgreich Filmpropaganda sein konnte, zeigten vor allem die Briten mit ihrem Film „The Battle of the Somme“ von 1916. Konkret plante deshalb die deutsche Regierung – sozu­sagen als me­diale Gegenoffensive – die Einrichtung einer eigenen Propaganda­behörde. Das Kriegsende kam der Umsetzung dieser Pläne jedoch zuvor.

Zweitens: Dass das Medium Film als besonders chancenreiches Propa­gandamittel angesehen wurde, kam nicht von ungefähr. Zum einen bot es – scheinbar – einen besonders authentischen Blick auf das Ge­schehen. Schließlich sahen die Betrachter ja alles sozusagen mit eigenen Augen. Zum andern handelte es sich beim Film um ein absolut massen­kompatibles Werkzeug: Als ursprüngliche Jahrmarktattraktion für breite Be­völkerungskreise wie als des Kaisers Lieblingsmedium (Kaiser Wilhelm II. gilt als eine der meist­gefilmten Persönlichkeiten ihrer Zeit) erreichte es alle Schich­ten der Gesell­schaft. Der Film war also gleichermaßen ansprechend wie über­zeugend – und das mit großer Breitenwirkung. Konnte sich ein Propagan­dist ein effektiveres Medium wünschen?

Als wie wichtig die inländische Filmpropaganda erachtet wurde, zeigt sich unter anderem daran, dass im November 1917 das preußische Kriegsministerium alle verantwortlichen Stellen anwies, „trotz Einschränkungen auf dem Gebiet der Strom- und Kohleversorgung den Betrieb der Lichtspieltheater aufrechtzu­erhalten“.

Die Wirkung dieses neuen Mediums war freilich mitunter umständlich und bis­weilen auch teuer erkauft. Heute sind mobile Camcorder oder Smartphones für die Filmaufnahme allgegenwärtig, im Ersten Weltkrieg jedoch waren die Apparaturen noch groß, klobig und mit circa 35 Kilogramm auch nicht gerade mobil. Hinzu kam, dass sie, wenn sie über den Schützengraben gehalten wurden, aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit mit Maschinengewehren das gegnerische Feuer auf sich zogen. Teleobjektive gab es nicht; das verwendete Filmmaterial war wenig lichtempfindlich, es lie­ferte nur kontrastarme Schwarz-Weiß-Bilder; die zumeist benutzte 35-Milli­meter-Normalfilmkassette ermöglichte eine Auf­nahmedauer von lediglich 100 Sekunden. Aus diesen aus heutiger Sicht unzu­reichenden technischen Um­ständen versuchten die Kameraleute (so sie den Fronteinsatz überlebten) das Beste zu machen, indem sie die Filmaufnahmen zum Beispiel nachträglich in Gelb, Blau oder Rot einfärbten. Diese Technik der Viragierung, bei der das Filmband in unterschiedliche Farbbäder getaucht wird, diente der Hervorhebung der emotionalen Bildbotschaften. Das ohnehin ge­neigte Publikum nahm eine solche Interpretationshilfe dankbar an.

Die Viragier-Technik führt uns gleich zu einem dritten Aspekt: Schon im Ersten Weltkrieg war Filmpropaganda eine Mischung aus (wenig) Realität, aus Weglassen bzw. Verschweigen und aus bewusster Inszenierung.

Gleich welche filmischen Bilder dieses Kriegs wir betrachten: Sie sind hoch­gradig künstlich: „Der Erste Weltkrieg im Film ist ein konstruierter Krieg“. Für uns heute gilt: Mögen die Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg aufgrund ihrer aus moderner Sicht beinahe unbeholfenen Inszenierung auch authentisch er­scheinen, so sind sie doch in hohem Maße Ergebnis einer Selektion aus mög­lichen Motiven bzw. Ereignissen.

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ – dieser dem US-Senator Hiram Johnson zugeschriebene Ausspruch gilt auch hier: Motivwahl, Fokussie­rung, Ausschnitt oder Montage führten mitunter zu beträchtlichen Verbiegungen bzw. Veränderungen der Realität im Sinne einer Dramatisierung. Und war es technisch oder aus militärischen Gründen nicht möglich, das Frontgeschehen tatsächlich abzubilden, so wurden spektakuläre Szenen kurzerhand nachgestellt und zum Beispiel mit echten Aufnahmen von Explosionen in der Ferne kombi­niert. Ein Meister der Inszenierung war beispielsweise Graf Kolowrat-Krakowsky von der österreichischen Sascha-Film: „Für den Durchmarsch einer Maschinen­gewehrabteilung durch ein Seengebiet fingierte er Feindbeschuss, indem er Dut­zende blinder Handgranaten zünden ließ. Die so entstehenden Wasserfontänen und der einsetzende Schlammregen, zwischen denen sich die Packpferde auf­bäumten, wirkten auf das Publikum realer, als es authentische Bilder imstande gewesen wären“ (Moser 2014, „Die Helden hinter der Kamera“).

Nach konservativen Schätzungen dürften kaum mehr als zehn Prozent aller Wochenschauberichte echte Kampfhandlungen gezeigt haben; andere Schätzun­gen sprechen von immerhin 20 Prozent tatsächlichen Kriegshandlungen in den Filmaufnahmen. Ohnehin seltene Möglichkeiten der Operateure, realistische Kampfszenen oder Kriegstote aufzunehmen, wurden meist vermieden. Die Verbreitung der wenigen Gefechtsaufnahmen und mit ihr alle filmischen Bilder vom Leid und Sterben an der Front unterband außerdem die Zensur aus militär­taktischen Gründen. Kam der Tod doch einmal im Kinofilm vor, so nur mit Bil­dern von „Heldengräbern“ oder ausschließlich als Verluste des Gegners. Einige Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von einem „volkspädagogisch ge­bremsten Realismus“ der Filme.

Dass unser medialer Blick auf den Ersten Weltkrieg getrübt ist, hat allerdings nicht nur mit den eingesetzten Propagandatechniken zu tun, sondern, zumindest was Deutschland angeht, auch ganz banale Gründe. Nach Schätzungen existie­ren nur noch 10 Prozent der Filme, die zwischen 1896 und 1918 im Deutschen Reich produziert wurden. Dies liegt vor allem in den kriegsbedingten Verlusten des Reichsfilmarchivs im Zweiten Weltkrieg begründet. Ähnliche Verluste ver­zeichnete das Filmarchiv Austria übrigens nicht; hier lagern aus dem Ersten Weltkrieg noch Hunderte Filmrollen.

Ich komme zum vierten Aspekt. Nicht jede Propaganda ist automatisch auch eine wir­kungsvolle Propaganda – das gilt nicht nur heute, sondern galt auch schon für den Ersten Weltkrieg. Actionarme Aufnahmen, auf denen nichts oder nicht das Er­wartete zu sehen ist, werden vom Publikum als langweilig und austauschbar gebrandmarkt.

Der propagandistisch gemeinte Film an sich kann also Propaganda ad absur­dum führen – aber auch die institutionellen Rahmenbedingungen können die Propagandawirkung abschwächen oder zunichte machen, wie ich im Folgenden zeigen werde.

Werfen wir einen Blick auf das Deutsche Reich: Nachdem anfänglich konser­vative Kreise der Militärs Filmpropaganda ver- bzw. behinderten, erkannten machtvolle modernisierende Kräfte innerhalb des Militärs ab Mitte des Krieges dessen Bedeutung. Einen kräftezehrenden Machtkampf zwischen Verwaltung, Militär und privater Filmwirtschaft konnten sie jedoch nicht mehr stoppen. Die­ser Faktor und die lange Zeit föderal-dezentrale Organisation der Propaganda führten zu einer zwar hohen Aktivität mit jedoch nur geringem Erfolg.

Ganz anders verhielt sich das Militär in Österreich-Ungarn: Dieses pflegte von Beginn an eine zentrale Filmpropaganda. Besonders auffällig ist diesbezüg­lich, dass durch die frühe Nutzung auch ein deutlich stärkeres machtstrukturie­rendes bzw. -widerspiegelndes Herrschaftsbild mit starkem Personenkult ver­mittelt wurde.

Allerdings erreichten, wie bereits erwähnt wurde, weder das Deutsche Reich noch Österreich-Ungarn in ihrer Filmästhetik – etwa mittels Re-enactment (also dem Nachspielen echter Szenen) – Propagandaerfolge vergleichbar denen der Ententemächte.

Kommen wir zum fünften und letzten Punkt: Was lehrt uns die Geschichte der Filmpropaganda für unseren heutigen Bilderkonsum?

Mit den (Er-)Kenntnissen aus dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Filmpropaganda im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts weiter: Die National­sozialisten etablierten – wie vorhin schon erwähnt – das bereits im Ersten Welt­krieg geplante Propagandaministerium und schalteten in der Folge die Kriegs­berichterstattung gleich. Aber auch im Vietnam- und im Golfkrieg spielte Film­propaganda eine entscheidende Rolle.

Heute ist Filmpropaganda, so behaupte ich, so einfach herzustellen wie noch nie – und das nicht nur von politischen Institutionen oder dem Militär, sondern zunehmend auch von privater Seite, wie uns tagtäglich die zahllosen Youtube-Videos von den Konflikten in Syrien, Ägypten, Mali usw. im Netz und – mit­unter direkt übernommen – in den Fernsehnachrichtensendungen vor Augen führen. Die „Perfektion“ (in Anführungszeichen!) heutiger Filme, sei es in Form verwackelter Handyvideos, sei es in Form einer Kriegsberichterstattung durch embedded journalism (also einen in eine Kriegspartei eingebetteten Journalis­mus), erschwert immer mehr die Aufdeckung der Propagandawirkung.

Ein Blick auf die Anfänge der Filmpropaganda mit all ihrer Unbeholfenheit und ihren „Fehlern“ kann hier das Bewusstsein auch für die Rezeption aktueller Medien schärfen. Wir müssen uns bewusst werden, Bildern – gleich ob als Film oder als Foto – zu misstrauen. Der Schriftsteller Peter Handke hat dies be­reits Mitte der 1990er-Jahre formuliert:

Was weiß der, der statt der Sache einzig deren Bild zu Gesicht bekommt oder, wie in den Fernsehnachrichten, ein Kürzel von einem Bild oder, wie in der Netzwelt, ein Kürzel von einem Kürzel?

Freiwilliger Pflichttermin: Das 2. Non-Profit Camp in Aachen

Vor nicht ganz einem Jahr fand das 1. Non-Profit Camp in Aachen statt – und ich war begeistert. Als die Organisatoren sich für eine Neuauflage entschieden, stand fest: Ich bin wieder dabei! Diesmal sogar schon im Vorhinein, denn ich durfte eine Woche lang den Twitter-Kanal kuratieren. Lest mehr dazu in diesem Interview, dass Organisatorin Rebecca Belvederesi-Kochs mit mir geführt hat.

Mit Höhenangst auf den Aachener Dom – Halb so wild!

Collage: Im und auf dem Aachener Dom

Collage: Im und auf dem Aachener Dom

Aber nun zum eigentlichen Non-Profit Camp am 22./23. Januar 2016: Das freitägliche Kulturprogramm absolvierte ich in diesem Jahr im und auf dem Dach des Aachener Doms. Spannend, wie die Baumeister seit 800 immer wieder kreativ und für ihre jeweilige Zeit fortschrittlich dieses Gebäude (weiter-)gebaut und erhalten haben. Und der Blick über Aachen (trotz meiner Höhenangst locker zu schaffen) allein ist diesen Aufstieg wert.

Der Non-Profit Sektor in seiner ganzen Vielfalt

Mike und ich beim 2. Non-Profit Camp in Aachen

Mike und ich beim 2. Non-Profit Camp in Aachen

Am Samstag ging es dann an’s Eingemachte: Das BarCamp präsentierte die ganze Bandbreite von Non-Profits: Rotes Kreuz, Hospizhilfe, Jugendarbeit, u.v.m. Und wie schon im letzten Jahr gab es wieder viele spannende Sessionangebote, zwischen denen man sich kaum entscheiden konnte – aber, es ist uns dennoch geglückt: Von Vorteil, wenn man zu mehreren von einer Organisation da ist (in meinem Fall vom Roten Kreuz), da kann man sich dann auch mal taktisch aufteilen 😉

Die Keynote: „Fadi kocht syrisch“

Wie man „mal eben“ in acht Wochen ehrenamtlich ein Kochbuch eines syrischen TV-Kochs, der inzwischen als Flüchtling in Aachen lebt, konzepiert, layoutet, drucken und binden lässt und verkauft, davon berichteten Corina und Meike vom Projekt „Fadi kocht syrisch“. Beeindruckend, was, wenn man denn will, so auf die Beine zu stellen ist – Chapeau!

Ihr ultimatives Kochrezept für’s Ehrenamt, das wohl auf fast jedes freiwillige Projekt passt:

Von den eigenen Fähig- und Fertigkeiten bis zu Kampagnenstrategien

Danach tummelte ich mich noch in einer Session zum „Talentkompass.NRW“. Dies ist ein Tool, mit dem Ehrenamtliche sich und ihre Bedürfnisse entdecken können, feststellen, was sie eigentlich genau machen wollen. Mal schauen, ob und wie sich das in die Verbandsarbeit implementieren lässt.

Ich wollte als nächstes jedenfalls in eine Session zum Thema „Kampagnen“ – und da war ich auch. Bereichert anschließend um ein paar Faustregeln:

Fazit

Naja, und wie immer nach solchen Tagen bin ich motiviert bis in die Fußspitzen und voller Ideen:

Vielen herzlichen Dank allen Organisatoren und Sponsoren, die das Non-Profit Camp in diesem Jahr erneut möglich gemacht haben. Versprochen: Ich komme nächstes Jahr wieder!

„Unter Druck! Medien und Politik“ – Deutsche Presse- und Mediengeschichte seit 1945

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Ausstellungsplakat "Unter Druck! Medien und Politik" am Haus der Geschichte in BonnWer meinem Blog regelmäßiger folgt hat es längst festgestellt – Als Medienwissenschaftlerin zieht es mich immer wieder in Ausstellungen rund um Medien: gleich ob in Wien, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder London. Jetzt verschlug es mich nach Bonn in das Haus der Geschichte. Genauer gesagt in dessen Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“.

Mediengeschichte der Vierten Gewalt

Mit nach eigenen Angaben mehr als 900 Objekten setzt sich die Ausstellung das Ziel, die Rolle der Medien in Deutschland seit 1945 zu beleuchten. – Und das gelingt ihr meiner Meinung nach sehr gut: Lizenzpresse der Allierten, freie Presse in der Bundesrepublik oder gelenkte Staatspresse in der DDR finden sich hier in anschaulicher, teils interaktiver Weise präsentiert.

Nach einem kurzen Überblick über die Mediengleichschaltung des Dritten Reiches geht es zu allen wesentlichen mediengeschichtlichen Meilensteine der BRD: Spiegel-Affäre, Auseinandersetzungen um die Springerpresse während der Studentenproteste ebenso wie die Auseinandersetzung um die Gründung des ZDF, die Gründung von Deutscher Welle und Deutschlandfunk oder Streitereien um den sogenannten „Rotfunk“.

Aus der neueren Mediengeschichte sticht besonders der Skandal um Bundespräsident Wulff hervor, dessen Mailbox-Nachricht an den Bild-Chefredakteur in der Ausstellung abzuhören ist. Gerade hier wird der Blick auf Nähe und Distanz zwischen Politik und Medien geworfen.

Aber auch die veränderte Öffentlichkeit durch die Neuen Medien wird z. B. anhand der Kampagne #aufschrei beleuchtet. Hier sind Möglichkeiten entstanden, dass Politik sich direkt an die Bürger wenden kann, ohne die Journalisten als Gatekeeper.

Besonders aufschlussreich war für mich jedoch der Ausstellungsteil zur DDR: Ist einem die westdeutsche Mediengeschichte doch (besonders als Medienwissenschaftlerin) sehr präsent, taten sich hier doch echte Wissenslücken einer Nachgeborenen auf. Das ein oder andere kannte ich aus Erzählungen meiner westdeutschen Familie, aber umfassend war das bisher nicht. Hier konnte die Ausstellung für mich neue Aspekte einbringen.

Sehr gut ergänzt wird die Ausstellung durch einen Begleitband, den ich jedem medien- und pressegeschichtlich Interessierten nur empfehlen kann.

Unter Druck! Medien und Politik
hrsg. von Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Kerber Verlag, Bielefeld / Berlin 2014
208 S., 179 farbige und 35 s/w Abbildungen,
Preis in der Ausstellung: 19,90 Euro
Preis im Buchhandel: 29,95 Euro

Fazit

Wen auch immer Presse- und Mediengeschichte seit 1945 in Deutschland interessiert, für den ist diese Ausstellung meiner Meinung nach ein Muss! Prägnent, anschaulich und interaktiv macht sie Geschichte erleb- und verstehbar.

„Unter Druck! Medien und Politik“ – Noch bis 17. April 2016 im Haus der Geschichte, Bonn

Willy-Brandt-Allee 14

53113 Bonn

Öffnungszeiten (Stand 09.10.2015)

Dienstag-Freitag  9:00-19:00 Uhr

Samstag/Sonntag 10:00-18:00 Uhr

Montag Ruhetag

Eintritt

frei

London Film Museum: Ein etwas anderes Filmmuseum

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Same procedure as every year: Anna Carla ist im Urlaub und schon landet sie wieder irgendwo, wo es um Medien geht. Sei es in Wien, Hamburg, Berlin oder Frankfurt: Medienmuseen haben es mir Medienwissenschaftlerin besonders angetan. Das war auch im diesjährigen Londonurlaub nicht anders.

„Mein Name ist Bond, James Bond.“

007 Schriftzug im London Film Museum

007 Schriftzug im London Film Museum

Schwupps, hatte es mich in das London Film Museum verschlagen. Schön gelegen in Covent Garden, war es definitiv für eine Überraschung gut: Denn dieses Filmmuseum entspricht so gar nicht den Klischees oder hat nur annährend etwas mit z.B. dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt zu tun. Seit mehr als einem Jahr ist es nämlich nur noch einer Person verschrieben: James Bond, 007.

Die Ausstellung „Bond in Motion“ ist nicht umsonst untertitelt mit dem Slogan „The Largest Official Collection of Original James Bond Vehicles“. Denn hier kann man so ziemlich jedes Fahrzeug, dass jemals von 007 gefahren wurde, aus nächster Nähe betrachten. Ob Einschusslöcher, Blechschäden oder nur noch zur Hälfte existente Fahrzeuge (darunter auch z.B. Jetskis): Man sieht ihnen an, was ihnen zugemutet wurde 😉 Aber auch Tricktechniken werden erklärt. Manch ein Stunt wird dann doch lieber nur mit einem Modellauto durchgeführt.

Und nicht nur das – angereichert wird die Ausstellung mit „persönlichen“ Utensilien des Agenten, Storybook-Auszügen, Filmklappen. All das, was das Cineastenherz oder das eines eingefleischten Bondliebhabers so höher schlagen lässt.

Wer jetzt die Bilder sucht: Ja, ich habe welche gemacht, aber die sehr dunklen Räume in Verbindung mit meiner Handykamera haben leider zu keinem erquicklichen Ergebnis geführt. Dann werft lieber einen Blick auf die Museumshomepage 😉

Fazit: Lohnenswerter Besuch

Ich bin kein James Bond Fan, aber die Ausstellung hat es mir dennoch angetan. Für die Medienwissenschaftlerin war dieser sehr spezielle Blick hinter die Kulissen wohltuend. Der Besuch lohnt für jeden, der sich ein bisschen mit dem Hintergrund von Filmen beschäftigen möchte: Sei es als ausgewiesener Fan oder einfach nur aus cineastischem Interesse.

London Film Museum

45 Wellington Street, Covent Garden, London WC2E 7BN, England

Eintritt

Stand: 18. September 2015

Erwachsene – £14.50

Kinder (5-15 Jahre) – £9.50

Ermäßigt – £9.50
(Studenten, 65+ und „freedom pass holders“)

Familien – £38

Kurzmitteilung

Die Bachelorarbeit und ihre Nachwirkungen

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Hier war es jetzt länger ruhig als geplant: Und daran war die Bachelorarbeit mit ihren gut 75.000 Zeichen im Hauptteil wohl Schuld. Trotz des anschließenden Urlaubs (Artikel zum medienwissenschaftlichen Part folgt noch) hat meine Hand danach beschlossen erstmal eine Pause einlegen zu wollen. Seit dem weiß ich auch, was Sesamknochen sind und wo man sie findet 😉

Also: Ich bin jetzt wieder da und blogge hier hoffentlich dann auch mal wieder regelmäßiger 😀

 

Kurzmitteilung

Wie das Netz respektive Social Media so funktioniert

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Vorgestern habe ich die @geistesgift via Twitter auf diesen Artikel in der NZZ zur Raumwahrnehmung in Städten bzw. deren Veränderung durch das Handy aufmerksam gemacht – und siehe da, sie hat ganz medienwissenschaftlich geantwortet 🙂

Danke!

Kurzmitteilung

Lebenszeichen aus den Tiefen der Bachelorarbeit

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Wer sich in den letzten Wochen gewundert hat, warum es hier so still geworden ist: Ich bin in der letzten Prüfungsphase meines Bachelorstudiums! Das hieß, zwei mündliche Prüfungen (jeweils in eine in Medienwissenschaft, die andere in Sozialwissenschaft) beim zum Teil brütendster Hitze absolvieren, viele Gänge zum Prüfungsamt und sonstigen unterschriftspflichtigen Stellen machen und vorallem: Meine 75.000 Zeichen umfassende Bachelorarbeit schreiben …

Zumindest Version 1.0 steht seit Freitag und ab dem 6. August (dem Abgabetag) bin ich dann auch wieder wieder frei für meinen Blog – zurzeit kreisen meine Gedanken einfach viel zu sehr um das Bachelorarbeitsthema „Filmpropaganda im Ersten Weltkrieg“.

Außerdem warte ich auf das Ergebnis der Korrekturläufe im Familien- und Freundeskreis – da kommen bestimmt noch Überarbeitungen meiner Rohfassung auf mich zu 😉

40 Jahre Kooperation der Ruhr-Universität Bochum und der IG Metall

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Als kurze Verschnaufspause beim Schreiben der Bachelorarbeit durfte ich am 10. Juli an der Feier zur 40-jährigen Zusammenarbeit der Ruhr-Universität Bochum und der IG Metall teilnehmen.

Nachdem ich im Seminar „Einführung in die Arbeitssoziologie“ erfolgreich eine Hausarbeit über Arbeiten 4.0 geschrieben habe, wurde ich als eine der studentischen FragestellerInnen zum Podium unter Moderation von Jürgen Zurheide eingeladen.

Meine Frage richtete sich an die Parlamentarische Staatssekräterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Anette Kramme. Von ihr wollte ich, wissen wie das BMAS die Zukunft von Erwerbsarbeit sieht. Was ist in der Arbeit 4.0 besonders wichtig?

Mit ihrer Antwort zur Wichtigkeit von Weiterbildungen sprach sie mir aus der Seele – Wir müssen lebenslang lernen: strukturiert, anerkannt und möglichst noch mit Spaß! Wie ich das bereits umsetze, findet sich in meiner Reihe „Fortbildung im Studium“.

Insgesamt hat mir diese Veranstaltung viel Spaß gemacht: Wir studentischen Fragesteller hatten die Möglichkeit zu zeigen, dass es junge Menschen an der Uni gibt, die sich mit dem Wandel der Arbeitswelt auseinandersetzen. Schließlich sind wir es, die diese veränderte, digitalisierte Arbeitswelt erleben und in ihrer unsere berufliche Zukunft sehen (müssen).

Und ein kleines, unerwartetes Dankeschön gab es auch 😉

Die offizielle Meldung zur Veranstaltung gibt es auf den Seiten der Ruhr-Universität Bochum.

Öffentlichkeitsarbeit in Jugendgruppen: Als Referentin beim BDKJ-Workshop-Tag in Hagen

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Stift auf ArbeitsblattSamstagmorgen, 30. Mai 2015, früh aufstehen: Es ruft der Workshop-Tag des Bundes deutscher katholischer Jugend (BDKJ) in Hagen. Eingeladen hatte mich BDKJ-Bildungsreferentin Hannah Scharlau, um Gruppenleitern der katholischen Jugendverbände das weite Feld der Öffentlichkeitsarbeit näher zu bringen. – Kennengelernt habe ich Hannah übrigens auf dem Non-Profit-Camp in Aachen: So schnell trifft man sich wieder 😉

Während in anderen Gruppen gekocht, gespielt oder sich mit dem Jugendschutz auseinandergesetzt wurde, ging es in unserer fünfköpfigen Gruppe den ganzen Tag um klassische und neue Möglichkeiten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Non-Profit-Bereich.

Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass das Thema teils recht trocken ist. Wird es dann auch noch nur trocken referiert, dann schürt Texte schreiben und Fotos machen eher Ängste. Oberste Prämisse deshalb für mich: Ab in die Praxis, denn ohne viel üben und ausprobieren wird’s nur schlimmer!

So betrachteten wir Original-Pressemitteilungen verschiedener Non-Profit-Organisationen: Was gefällt uns, was würden wir anders machen? – Einig waren sich alle: Am liebsten lesen wir Geschichten und keine sachlichen „Verlautbarungen“. Nach einem kurzen Input zu formalen Kriterien der Pressemitteilung ging es dann in die angekündigte Praxis: Mit den Wörtern wurde gerungen, schlussendlich besiegten die Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedoch alle Hindernisse und schrieben spannende Artikel über den Workshop-Tag für Gruppenleiter des BDKJ.

Frisch gestärkt mit den Kochkünsten aus einer anderen Workshopgruppe ging es nach der Mittagspause weiter: Was wäre ein Artikel auf der Homepage oder eine Pressemitteilung ohne Bilder? – Langweilig!

Also beschäftigten wir uns mit den (auch juristischen) Grundregeln „guter“ Fotos und gingen auf Fotoexpedition in die anderen Workshops: Waren hier die Vorkenntnisse auch sehr unterschiedlich, so hatten doch alle viel Spaß und wir am Ende auch passendes Bildmaterial für unsere Berichterstattung.

Zum Abschluss gingen wir noch kurz auf die Themen „Webseite“ und „Social Media“ ein: Aufgrund der jugendlichen Zielgruppe nicht zu unterschätzende Kanäle.

Ich danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für konstruktive Stunden. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß mit euch gemacht. Ich freu mich drauf, zu sehen, wie ihr in Zukunft Öffentlichkeitsarbeit in euren Gruppen macht. Und auch an Hannah ein dickes Dankeschön für die Möglichkeit, ein bisschen was von meiner Leidenschaft für die Öffentlichkeitsarbeit zu vermitteln.

Deutsches Filmmuseum Frankfurt: Filmgeschichte(n)

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Ich und meine Leidenschaft für Medien – Los lässt mich die nie. Deshalb habe ich auf einem Tagesausflug nach Frankfurt nicht nur das Museum für Kommunikation besucht (wie bereits berichtet), sondern auch das Deutsche Filmmuseum nebenan.

Filmisches Sehen

Werbeplakat für den Cinématographe Lumière

Werbeplakat für den Cinématographe Lumière

Die Dauerausstellung des Deutschen Filmmuseums ist zweigeteilt: Im ersten Obergeschoss liegt der Schwerpunkt in der Mediengeschichte visueller Geräte, besonders deren Vielfalt und Entwicklung im 18. und 19. Jahrhundert. Pfiffig sind die Ausstellungsvitrinen, die an Filmrollen erinnern.

Unter dem Begriff „Schaulust“ fassen die Kuratoren Guckkästen, Kaleidoskope, Anamorphosen und Panoramen: Hier kann mit Modellen nach Herzenslust ausprobiert werden, wie diese Apparate mit der Wahrnehmung spielen.
Weiter geht es mit optischen Apparaturen, z. B. Lebensrad, Wundertrommel oder Mutoskop. Hier erlebt man, wie aus einzelnen Standbildern die Illusion einer Bewegung entsteht.

Um die Camera Obscura und die Fotografie geht es im Abschnitt „Aufnahme“, der Bereich „Projektion“ hat als Schwerpunkt die Laterna Magica. Anhand eines Modells kann man die magische Laterne selbst ausprobieren.

Spaß gemacht hat mir besonders das Funktionsmodell des Lumièreschen Cinématographen im Unterbereich „Laufbild“: Einfach an der Kurbel drehen und Bilder bewegen!

Zum Abschluss des ersten Teils der Dauerausstellung kann in einem kleinen „Kino“ eine Auswahl früher Kinofilme zwischen 1895 bis 1911. Klassiker sind hier ebenso zu sehen wie Raritäten – Für mich als Medienwissenschaftlerin durchaus ein Highlight der Ausstellung.

Filmisches Erzählen

Im zweiten Teil der Dauerausstellung dreht sich alles um Bild, Ton, Montage und Schauspiel: Wie erzielt ein Film seine Wirkung?

Willkommen heißt einen eine viergeteilte Leinwand („Filmraum“): Hier werden Ausschnitte zahlreicher Filme in einer neuen Komposition von Bild, Ton, Montage und Schauspiel gezeigt und verdeutlichen so diese zentralen Gestaltungselemente. Für mich eine tolle Idee – da hatte man fast schon Lust, selbst aktiv zu werden!

Die Figuren sind ein wichtiger Bestandteil eines Films: Ob dies nun Schauspieler oder Animationsfiguren sind. In diesem Bereich finden sich auch der Helm von „Darth Vader“ oder der Alien aus dem gleichnamigen Film.

Blechtrommel aus dem Film "Die Blechtrommel"

Blechtrommel aus dem Film „Die Blechtrommel“

Im Bereich „Ton“ geht es um die unbewusst wichtigste Sache im Film: Er kann interpretieren, verstärken, konterkarieren oder untermalen. Welche Wirkungen er in Verbindung mit ausgewählten Filmszenen hat, kann man an einem interaktiven Mischpult ausprobieren. Wer immer schon einmal die „Blechtrommel“ aus dem gleichnamigen Film betrachten wollte, wird hier ebenfalls fündig.

Was wäre ein Film ohne Bild? – Eben, kein Film. Deshalb widmet sich der gleichnamige Teilbereich dem Zusammenspiel von Licht, Farbe, Kameraführung, Szenenbild und Trickeffekten. So kann man hier z. B. in einem nachgestellten Studio die Lichteffekte verschiedener Filme ausprobieren: Wie unterscheidet sich die Beleuchtung in einem Film mit Marilyn Monroe von der in einem Film mit Arnold Schwarzenegger? – Die Ergebnisse sorgen doch für einiges Gelächter oder alternativ für gruselige Momente.

Im letzten Unterabschnitt wird die „Montage“ betrachtet: Sie strukturiert Raum und Zeit innerhalb des Narrativs. Hier haben wir an interaktiven Stationen uns selbst als Cutter von ungeschnittenem Rohmaterial versucht und mit der Reihenfolge von Filmausschnitten experimentiert.

Fazit

Mir hat die Ausstellung viel Spaß gemacht: Für mich als Medienwissenschaftlerin ein interessanter Blick auf Film. Nicht vom Buch in den Kopf, sondern direktes Ausprobieren und echte Gerätschaften zu betrachten, hat mir die Filmwelt doch ein Stück näher gebracht.

Ich war über weite Stücke soweit gefesselt, dass ich fast ganz vergessen habe, Fotos zu machen 😉

Deutsches Filmmuseum

Schaumainkai 41
60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten

Mo geschlossen
Di 10 – 18 Uhr
Mi 10 – 20 Uhr
Do – So 10 – 18 Uhr

Eintritt

Dauerausstellung
6,00€
ermäßigt: 3,00€
Kinder unter 6 Jahren: freier Eintritt

Kombiticket (Sonderausstellung und Dauerausstellung):
10,00€ / 7,00€