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Plakat im Saalbau in Witten

Plakat im Saalbau in Witten

Funktioniert das, ein Hörspiel auf der Theaterbühne? – Diese Frage stellte ich mir schon als ich die Karten für „Bastian Pastewka und Komplizen in: Paul Temple und der Fall Gregory“ in Händen hielt. Hier war ich nicht nur als eingefleischter Paul-Temple-Fan gespannt, sondern auch als Medienwissenschaftlerin etwas kritisch. Wie schafft man es, ein Hörspiel so umzusetzen, dass es auf der Bühne wirkt? Ist es dann mehr HörSPIEL als HÖRspiel? Verliert es dabei nicht seinen ureigensten Charakter?

Hintergrund zu „Paul Temple und der Fall Gregory“

Der von Bastian Pastewka und Komplizen gespielte Fall Gregory ist der sagenumwobenste aus der Paul-Temple-Reihe des NWDR bzw. WDR: 1949 als erster deutscher Paul-Temple-Fall ausgestrahlt, ist er danach in den Archiven verschollen. Auch das Original der BBC traf das gleiche Schicksal, wenn auch bereits 1946.

Nachdem vor einiger Zeit Fragmente des Skriptes von 1949 wieder aufgetaucht sind, versuchten sich Pastewka und Konsorten daran: gar nicht so einfach, ein sechsstündiges Hörspiel auf gute zwei Stunden herunterzubrechen – und wie löst man die Lücken im erhaltenen Skript? Dankenswerterweise pflegte immerhin der norwegische Rundfunk ein ordentliches Archiv, sodass man mithilfe dessen Version die Handlungslücken rekonstruieren konnte.

Hörspiel-Umsetzung auf der Bühne

Und wie hat es jetzt funktioniert, das Hörspiel auf der Bühne? Ich muss feststellen: Bastian Pastewka und Co. schaffen es hervorragend mit nur fünf Sprechern ein vielfaches an Personal zu besetzen. Nebenbei machen sie alle auch noch den Tonmeister: vom Kauzgeschrei bis zum Türgeräusch wird alles live erzeugt. Die Bühne wird also quasi zum Hörspielstudio, in das alle Zuschauer Einblick erhalten.

Das Flair der erhaltenen elf deutschen Paul-Temple-Hörspiele erhält das Stück durch die Einspieler der Musik von Hans Jönsson mit dem Kölner Tanzorchester. Außerdem läuft im Hintergrund eine Foto-Projektion mit Bildern aus den deutschen Verfilmungen der Durbridge-Werke, von René Deltgen (dem „originalen“ Paul Temple) und natürlich auch von Francis Durbridge selbst. Diese lenkt jedoch nie vom eigentlichen Fall ab.

Ab und an nehmen sich die Schauspieler aus der Geschichte heraus – kritisieren die „konservativen“ Ansichten bzw. das ebensolche Verhalten Paul Temples, hinterfragen die Handlung oder Bastian Pastewka spielt den Erklärbär mit zahlreichen historischen Hintergründen zu der Hörspielreihe.

Der Charakter eines Hörspiels wird dabei dezent um einige darstellerische Aspekte ergänzt – ohne, dass der Hörgenuss gestört würde. Im Gegenteil: Man merkt, wozu das Kopfkino mithilfe des Hörens so fähig ist.

Fazit

Eine gelungene Gratwanderung zwischen HÖRspiel und HörSPIEL! Empfehlenswert für alle Hörspielfans, Paul-Temple-Anhänger oder begeisterten Francis-Durbridge-Konsumenten.

Wer mal reinhören will, für den gibt’s den Trailer.

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