Schlagwörter

, , , , ,

Ausstellungsplakat "Unter Druck! Medien und Politik" am Haus der Geschichte in BonnWer meinem Blog regelmäßiger folgt hat es längst festgestellt – Als Medienwissenschaftlerin zieht es mich immer wieder in Ausstellungen rund um Medien: gleich ob in Wien, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder London. Jetzt verschlug es mich nach Bonn in das Haus der Geschichte. Genauer gesagt in dessen Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“.

Mediengeschichte der Vierten Gewalt

Mit nach eigenen Angaben mehr als 900 Objekten setzt sich die Ausstellung das Ziel, die Rolle der Medien in Deutschland seit 1945 zu beleuchten. – Und das gelingt ihr meiner Meinung nach sehr gut: Lizenzpresse der Allierten, freie Presse in der Bundesrepublik oder gelenkte Staatspresse in der DDR finden sich hier in anschaulicher, teils interaktiver Weise präsentiert.

Nach einem kurzen Überblick über die Mediengleichschaltung des Dritten Reiches geht es zu allen wesentlichen mediengeschichtlichen Meilensteine der BRD: Spiegel-Affäre, Auseinandersetzungen um die Springerpresse während der Studentenproteste ebenso wie die Auseinandersetzung um die Gründung des ZDF, die Gründung von Deutscher Welle und Deutschlandfunk oder Streitereien um den sogenannten „Rotfunk“.

Aus der neueren Mediengeschichte sticht besonders der Skandal um Bundespräsident Wulff hervor, dessen Mailbox-Nachricht an den Bild-Chefredakteur in der Ausstellung abzuhören ist. Gerade hier wird der Blick auf Nähe und Distanz zwischen Politik und Medien geworfen.

Aber auch die veränderte Öffentlichkeit durch die Neuen Medien wird z. B. anhand der Kampagne #aufschrei beleuchtet. Hier sind Möglichkeiten entstanden, dass Politik sich direkt an die Bürger wenden kann, ohne die Journalisten als Gatekeeper.

Besonders aufschlussreich war für mich jedoch der Ausstellungsteil zur DDR: Ist einem die westdeutsche Mediengeschichte doch (besonders als Medienwissenschaftlerin) sehr präsent, taten sich hier doch echte Wissenslücken einer Nachgeborenen auf. Das ein oder andere kannte ich aus Erzählungen meiner westdeutschen Familie, aber umfassend war das bisher nicht. Hier konnte die Ausstellung für mich neue Aspekte einbringen.

Sehr gut ergänzt wird die Ausstellung durch einen Begleitband, den ich jedem medien- und pressegeschichtlich Interessierten nur empfehlen kann.

Unter Druck! Medien und Politik
hrsg. von Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Kerber Verlag, Bielefeld / Berlin 2014
208 S., 179 farbige und 35 s/w Abbildungen,
Preis in der Ausstellung: 19,90 Euro
Preis im Buchhandel: 29,95 Euro

Fazit

Wen auch immer Presse- und Mediengeschichte seit 1945 in Deutschland interessiert, für den ist diese Ausstellung meiner Meinung nach ein Muss! Prägnent, anschaulich und interaktiv macht sie Geschichte erleb- und verstehbar.

„Unter Druck! Medien und Politik“ – Noch bis 17. April 2016 im Haus der Geschichte, Bonn

Willy-Brandt-Allee 14

53113 Bonn

Öffnungszeiten (Stand 09.10.2015)

Dienstag-Freitag  9:00-19:00 Uhr

Samstag/Sonntag 10:00-18:00 Uhr

Montag Ruhetag

Eintritt

frei

Advertisements